Die Wiener Kunsthighlights im Jänner und Feber - séduction Magazin Österreich
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Die Wiener Kunsthighlights im Jänner und Feber

Von Tamara Draisbach 13. Jänner 2024
Credit: Pexels
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Der Jänner verspricht eine faszinierende Palette von Ausstellungen, welche die Vielfalt und Kreativität der einstigen wie aktuellen Wiener Kunstszene repräsentieren. Von seltenen Anblicken, zeitgenössischen Innovationen bis hin zu bedeutenden retrospektiven Werken – die Ausstellungen dieses Monats versprechen ein inspirierendes Erlebnis für Kunstliebhaber aller Art.

Albertina: Gottfried Helnwein. Realität und Fiktion

25.10.23-11.02.24

Es ist die erfolgreichste Ausstellung eines lebenden Künstlers in der Geschichte der Albertina. Zum 75. Geburtstag des österreichisch-irischen Ausnahmekünstlers stellt das renommierte Museum dessen Werke in einer Retrospektive aus, welche Besucher und Besucherinnen begeistert, schockiert und „zu Tränen gerührt hat“, wie Albertina-Direktor Klaus Albrecht Schröder berichtet. Heftige emotionale Reaktionen sind im Angesicht der hyperrealistischen Werke Helnweins nicht verwunderlich. Schon seine erste Ausstellung 1970 löste damals Proteste aus. Denn seine Kunst behandelt auf eindrückliche Weise tief psychologische Tabuthemen, die üblicherweise gern einmal ausgeblendet werden: Schmerz, Gewalt, Angst. Besonders in der Kombination mit Kindheit ist das nichts für sensible Gemüter. Doch Helnweins künstlerische Konfrontation, sein Mut zur Provokation und seine technische Perfektion sind absolut sehenswert. 

Belvedere: Klimt. Adele Bloch-Bauer II

09.11.23-11.02.24

Ein besonderer Gast gibt sich noch bis Mitte Februar die Ehre im Oberen Belvedere: Adele Bloch-Bauer, enge Freundin und Mäzenin Gustav Klimts, festgehalten in einem 190 x 120 cm großen Ölbildnis. Dieses Werk zu bewundern, ist eine Gelegenheit, die sich nicht allzu oft bieten wird, denn es befindet sich seit seiner Versteigerung im Jahr 2006 in wechselndem Privatbesitz. Der kurze Zwischenstopp im Belvedere ist einer kunsttechnologischen Analyse und der Restaurierung in den museumseigenen Werkstätten geschuldet. Schließlich ist das Belvedere auch Kompetenzzentrum für die Erforschung von Klimts Gemälden. Liebhaber von Klimts Spätwerk und dem Wiener Jugenstil sollten daher möglichst bald einen Blick auf Adele Bloch-Bauer II werfen. 

Belvedere 21: Robert Gabris. This Space is too small for our bodies

08.09.23-18.02.24

2022 wurde zum ersten Mal der Belvedere Art Award verliehen. Seit September letzten Jahres kann im Belvedere21 nun die Ausstellung des Preisträgers Robert Gabris besucht werden. Der slovakische Künstler lebt und arbeitet in Wien und beschäftigt sich in seinen Zeichnungen, Kupferstichen, Installationen und performativen Arbeiten mit hochaktuellen Themen. Vor allem in seiner eigens für die Ausstellung entstandenen Serie This Space Is Too Small For Our Bodies setzt er sich mit dem Körper und dessen gesellschaftlichen Grenzen auseinander.  „My body is a space. Here I negotiate the dissolution of boundaries, norms and binary of a body that wants to live by its own rules“, schreibt Gabris auf seiner Webseite. Er prangert damit auch die institutionelle Marginalisierung und Exklusion queerer Körper an, denen auch im Kunstbetrieb noch zu wenig Raum gegeben werde: „This Space Is Too Small For Our Bodies is a conflict related to queer bodies and spaces in which we do not move freely.“

MAK: Gertie Fröhlich. Schattenpionierin.

13.09.23-03.03.24

Das MAK widmet der 2020 verstorbenen Künstlerin und bedeutenden Persönlichkeit der Wiener Avantgarde eine umfassende Retrospektive. Entstanden ist sie in Zusammenarbeit von Fröhlichs Tochter Marieli und der Kuratorin Kathrin-Pokorny-Nagel. Gertie Fröhlich war nicht nur Künstlerin, sondern Meisterin im Networking, wie man neudeutsch sagen würde, — ihr Apartment ein angesagter Treffpunkt für zahlreiche kreative Köpfe und Persönlichkeiten der Zeit, dessen Tür stets offen stand. Dass sich in Fröhlichs Werken häufig fliegende Frauenfiguren als Zeichen von Befreiung und Zwanglosigkeit zeigen, deckt sich mit ihrem künstlerischen Ansatz, sich nicht von vorherrschenden Stilen, Trends oder bestimmten Disziplinen einengen zu lassen. Ihre Zeichnungen, Aquarelle, Grafiken und Plakate zeugen von kreativer Flexibilität und Vielseitigkeit. 

Galerie WestLicht: Paparazzi!

24.11.23-11.02.24

Paparazzi! in der Galerie WestLicht schafft einen facettenreichen Blick auf unverstellte Porträts und Zeugnisse einer Ära. Die Foto-Ausstellung präsentiert rund 120 Werke von etwa 20 Bildautor:innen, die die Geschichte der Paparazzi-Fotografie von den späten 1950er-Jahren bis in die 2000er beleuchten. Ein Schwerpunkt liegt auf den 1960er- und 1970er-Jahren, als Fotografen wie Ron Galella, Elio Sorcio und Marcello Geppetti zwischen Rom und Hollywood auf Schnappschussjagd gingen. Die Ausstellung erforscht die Geschichte, Methoden und Ästhetik der häufig kritisierten Paparazzi-Fotografie und thematisiert deren kontroverse Aspekte. Zugleich lässt sie die Faszination erkennen, die das Phänomen auch auf andere Bereiche der Fotografie und Kunst ausübte.

Letzte Chance:

Belvedere: Louise Bourgeois. Unbeirrbarer Widerstand

Noch bis 28.01.24

In den barocken Räumlichkeiten des Unteren Belvederes hat das Wiener Kunsthaus dem malerischen Werk Louise Bourgeois eine große Einzelausstellung gewidmet, welche die erste ihrer Art in Europa ist. Dabei werden Skulpturen, Rauminstallationen, Grafiken und Gemälde der franko-amerikanischen Künstlerin auf eindrucksvolle Weise zueinander in Bezug gesetzt.

Kunsthalle Wien: No Feeling Is Final. Skopje Solidarity Collection

Noch bis 28.01.24

Die gemeinsame internationale Ausstellung der Kunsthalle Wien und des Museums für Zeitgenössische Kunst (MoCA) Skopje ließ vier Künstler und Künstlerinnen sowie ein Künstlerduo mit der Sammlung des MoCA arbeiten. Sie wählten Werke aus und entwickelten ein Display, in dem sie die eigene Kunst mit diesen in Verbindung brachten. Auf diese Weise soll die Geschichte der modernen Kunst neu erzählt werden.